stille Hilferufe

Essstörungen - Die Stimmen in Deinem Kopf
 
 

Einflüsse etc auf die kleine Federleicht

Ich glaub ich war schon immer anfällig auf die Kommentarer anderer, ich hab schon immer wert darauf gelegt, was andere von mir denken, auch wenn meine Mama mir immer sagte, dass es egal wäre, was andere denken, solange man sich nicht verstellt und zu sich stehen kann. Ich glaubte ihr.

Irgendwann hab ich dann gemerkt, dass sie das mir zwar immer predigte aber sie selbst legte wert auf ein richtiges Auftreten, gutes Benehmen und zumindest einwenig Anerkennung von ihrem Umfeld, trotzdem wollte sie mir klar machen, dass es egal ist, was andere denken.

Mit steigendem Alter wurde mir klarer, dass es NICHT egal ist was andere von einem denken und so habe ich gefolgert, dass es auch nicht richtig wäre immer so zu sein, wie man ist.

Ich habe angefangen eine Maske zu tragen im Alter von 13Jahren begonn ich, mich abzuschotten, arbeitete hart daran nicht mehr die zu sein, die ich war. Anfangs probierte ich dies durch einen „neuen“ Style, trug andere Klamotten, zerschnitt Kleidung, wollte meine Haare abschneiden, färben etc. Ohne Erfolg, keinen hat es so wirklich interessiert.

Ich schloss daraus, dass es wohl der falsche Weg wäre. Nach meiner Konfi fing ich an mich extrem zu schminken, wollte ein Zeichen setzten, wollte registriert werden, wollte wahrgenommen werden, doch keiner reagierte.

Ein halbes Jahr verging, nichts passierte. Ich war frustriert, es war Adventszeit, ich fraß Schokolade um Schokolade, danach war mir total schlecht, ich ging aufs Klo, ich war allein zu Hause, ich kotzte, ging wieder zurück aufs Sofa, fraß weiter, ging wieder zurück aufs Klo, kotzte wieder, wusch mir die Hände, putzte meine Zähne, auf einmal war mir total schwindelig, ich legte mich auf das Sofa, sammelte mich und meine Gedanken. Realisierte nur nach und nach, was ich gerade gemacht habe.

Ich hab gefressen, gekotzt, gefressen, gekotzt. Irgendwie fühlte ich mich befreit, aber im gleichen Moment wurde mir klar, ich habe einmal gekotzt, aber bei dem einen Mal wird es nicht bleiben, ein Teufelskreis hat begonnen.

Angst hatte ich aber nicht, im Gegenteil, ich sah darin die Lösung all meiner Probleme, bei schlechten Noten konnte ich in Zukunft soviel fressen wie ich wollte, ich wusste ja, wie ich es wieder losbekommen kann. Bei Stress egal wegen was, ich konnte es einfach wieder auskotzen, meine Gefühle, mein Hass, einfach alles.

Und damit begann mein Leben in einer anderen Welt, ich fing an kcal zu Zählen, sagte mir, ab einer Einnahme von mehr als 500kcal pro Mahlzeit wirst Du kotzen gehen.

Irgendwann veringerte sich die Zahl, jetzt bin ich bei 200kcal pro Tag, die ich aufnehme, wenn ich die übersteige dreh ich durch, fühl mich fett wie ein Walross und ich habe Angst, dass es nie wieder aufhört, dass ich nie wieder das bin, was ich mal war.

Das ich nie wieder ohne die Stimmen im Kopf bin...

5.1.11 20:05

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Nora Müller / Website (24.3.11 20:37)
Hallo,
ich bin Nora siebzehn Jahre alt, und habe ebenfalls Anorexie.
Ich habe deinen Blog zufällig gefunden, als ich im Internet nach Anorexie und Stimmen suchte.

Weil es mich zur Zeit absolut fertig macht zu jeder Situation diese Anorektischen Gedanken und Gefühle zu haben- gehe ich bspw. in den Supermarkt ist es eine Katstrophe (Kalorien,kohlenhydrate,Fett!,..) oder wenn ich lange Zeit sitze.

Ich habe jetzt einen vierteljährigen Klinikaufenthalt hinter mir von dem ich noch nicht sagen kann, ob er mir wirklich geholfen hat.

Natürlich haben Sie mein Leben gerettet- aber was ist das bitte schön für ein Leben, bestimmt von einer Krankheit?

Ich habe so große Angst dies alles nie wieder loszulassen. Nie wieder ich selbst zu sein. Nie wieder Gefühle zu zeigen, keine Intersse zeigen zu können,...

Nie wieder Mensch sein.

Meine herapheutin hat mir nahegelegt das die Patientinnen ab einer scheinbar magischen Geichtsgrenze ins Leben zurückkehren, die Stimme aufhört, sie Gefühle zeigen können,..etc.

Doch was ist wenn nicht?


Wie dem auch sei, ich kenne jedenfalls das Meiste von dem was du schreibst sehr gut- so auch die Sache mit der Sinnsuche hinterder Anorexie.

liebe Grüße,
nora

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen