stille Hilferufe

Essstörungen - Die Stimmen in Deinem Kopf
 
 

it's a love/hate realtionship

it's a love/hate realtionship

 

Ich führe eine Beziehung mit einem kleinen technischen Gerät. Nicht schwerer als eine Flasche Wasser. Nicht größer als ein A3blatt, nicht dünner als ein Flaschendeckel.

Es ist eine Hassliebe. Ich glaube das ist das richtige Wort dafür. Mal macht sie mich glücklich, meistens aber nicht. Und an manchen Tagen, ja, da fühlt es sich einfach nur noch so an, als würde sie mich nur noch abgrundtief hassen, sie hasst mich, sie lügt, sie spielt mit mir, mit meinen Gefühlen, ich bin machtlos ihr ausgeliefert, ich komm nicht von ihr los.

Klar könnte ich mir einen neue kaufen gehen, aber was würde das ändern, ich hab kein Glück in Beziehungen wie dieser, ich zieh immer den kürzeren. Ich habe die Waage noch nicht einmal wegen mir weinen hören, ich habe sie noch nie zusammenbrechen sehen, sie ist gefühlskalt, aber entfacht in mir so viele Gefühle. Angefangen mit Glück, gefolgt von Selbstzweifel und Wut.

Egal was ich mache, ich bin nie gut genug und werde es auch nie sein. Es wird Zeit, dass ich es einsehe, aber ich kann es einfach nicht einsehen. Ich würde sie am liebsten nur anschreien, aber was bringt es, auf ein lebloses „nichts“ einzuschreien? Es macht keinen Sinn. Warum bin ich so abhängig von ihr? Warum kann ich nicht mit und nicht ohne? Meine Mom dachte wahrscheinlich sie tut mir einen Gefallen, wenn sie die Waage versteckt, sie dachte, ich würde es einfach nur so hinnehmen und mich nicht mehr wiegen. Falsch! Nehm mal einem Alkoholiker den Alkohol weg, nehm einem Raucher die Zigaretten, nehm einem Drogenabhängigen seine Drogen…was passiert? – Er besorgt sich neuen Alkohol, neue Zigaretten, neuen Stoff. Ich hab mir keine neuge geholt, weil ich wusste, dass sie noch irgendwo da sein muss, sie konnte ja nicht verschwinden, ich wusste meine Mom wird sich ja weiterhin wiegen. Also bin ich auf die Suche gegangen.

Ich hab sie gefunden, war ja nicht schwer. Ab jetzt begann mein Lügenschloß erst richtig zu wachsen, Du gabst mir noch mehr Stoff aus dem Lügen gemacht werden. Ich gehe mehrmals täglich auf diesen Höllenritt. Ausziehen im Klo, zum Schlafzimmer rennen, leise horchen, ob auch wirklich niemand kommt, Schranktüre auf, Waage raus. Mein Herz pocht und pocht, außer den Schlägen meines Herzes kann ich kaum was hören, überlege mir schon Tausend Dinge, die ich sagen könnte, wenn Du vor mir stehst, während ich auf der Waage auf die Zahl warte.

Ein Blick an die Decke, einmal tief Luft holen, jeden Tag dasselbe, der Blick nach unten, jetzt entscheidet sich meine Gefühlslage, ob gut oder schlecht, ob Freude oder Verzweiflung, Glück oder Hass. Die Zahl nocheinmal anstarren, schnell von der Waage huschen, alles wieder auf seinen Platz legen. Schranktüre leise zuziehen, zurück ins Klo huschen, Spülung betätigen, glücklich sein, wenns weniger war, sich hassen, wenns mehr oder gleichviel war. Euch irgendwelche Gründe für meine Gefühlslage nennen, nur nicht die richtigen, ein falsches Wort, eine falsche Bewegung und meine ganze Lügenwelt würde zusammenbrechen, mein ganzes Schauspiel wäre zu Ende…

5.1.11 00:53

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


derjungejoop / Website (5.1.11 04:24)
hey federleicht,

das war nun der erste blogeintrag, den ich hier las. er hinterlässt mich bewegt. ja, ich kenne eine person, die ähnliches durchgemacht hat. sie ging sogar morgens zu fuß zur schule, wenn sie morgens eine erschreckende kilogrammzahl auf der waage erspähen musste... sie hatte dann nämlich angst, dass die anderen täglich mitreisenden buspassagiere, es ihr ansehen würden... du erinnerst mich an diese person...

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