stille Hilferufe

Essstörungen - Die Stimmen in Deinem Kopf
 
 

Meine Geschichte

Ich werde oft gefragt, wie es zu meiner ES kam.

Ehrlichgesagt suche ich auch schon lange nach der Antwort, jede Therapiestunde stellt sich diese Frage und ich hab noch keine eindeutige Antwort bekommen, eine 100% Antwort werde ich wahrscheinlich auch nie bekommen, aber Ansatzweise kamen mir schon so ein paar Gedanken, aber bevor ich die Ursachen nenne, will ich euch von mir erzählen.

Ich bin 15, besuche die 10.Klasse eines Gymnasiums, mein Freundeskreis ist groß, aber nur zu einer handvoll habe ich eine "richtige" Bindung, das andere ist alles mehr so oberflächlich, wie so vieles in dieser Welt. 

In der Öffentlichkeit hab ich immer ein Lächeln im Gesicht, meine Frisur sitzt, die Kleider perfekt aufeinander abgestimmt, immer perfekt geschminkt, doch das ist alles nur Fassade, innerlich bin ich am Ende, total chaotisch, ein emotionales Wrack. Ich passe weder in diese Welt noch in meine eigene Verwandtschaft, in der alles "perfekt" sein muss. Meine Therapeutin macht auch vorallem meine Verwandtschaft mitschuldig an meinem seltsamen Essverhalten, ständig wird dort über Diöten gesprochen, über dicke abgelästert, etc. 

 Ein anderer Grund ist das Umfeld in meiner Schule, es gibt viele dickere, viele dünne, von allem ist was dabei. Früher konnte ich eigentlich total viel Essen, ich nahm kein Gramm zu, ein paar meiner freundinnen waren darauf etwas eifersüchtig, nannten mich "Fressmonster". Irgendwann, ich glaube es war kurz nach meinem 14.Geburtstag meinten ein paar Freundinnen von mir, sie machen eine Diät, das war der Moment, in dem ich mir das erste Mal so richtig Gedanken über mein Aussehen gemacht hatte. Am nächsten Tag erzählten sie, sie hätten seit gestern Abend nichts gegessen. Das ganze Thema hat mich irgendwie fasziniert, hab aber normal weiter gegessen.

Zu dem Zeitpunkt find meine Mutter dann mit einer Ernährungsumstellung an, sie aß immer etwas anderes als wir, ich schloss damals daraus, dass das, was wir essen falsch war. Ich beschäftigte mich immer mehr mit essen. Irgendwann kamen wir dann in der Schule auf kcal und sowas zu sprechen, ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt gerade mal von deren Existenz, ich wusste nicht was sie bedeuten, ob sie positiv oder negativ waren. Meine Freundinnen klagten dann nach einem Tag bereits, dass sie jetzt sich unbedingt etwas essen müssen und dadurch, dass sie ja sonst noch nichts gegessen haben, können sie sich jetzt ein KitKat gönnen, obwohl es voll mit kcal, Zucker, Fett war.

Langsam kam in mir beim Essen so eine Stimme auf, sie sagte mir, dass kcal schlecht wären, fett noch viel schlimmer. Unbewusst fing ich an dies und das weg zulassen, bis ich dann eines Tages, es war ein Dienstag, wir hatten an dem Tag bis 18Uhr Schule, garnichts gegessen hatte, nachts lag ich dann im Bett und ich dachte mir:

"So, das war doch garnicht so schlimm. Was haben die anderen nur  für ein Problem nichts zu essen." 

Am nächsten Tag in der Schule sagte ich aber keinem was davon, ich wollte sie nicht "eiferspchtig" machen, ich hab einfach weiter zugehört, plötzlich sagte eine Freundin, sie habe gelesen, garnichts essen wäre auch nicht gut, dadurch entsteht ein Jojo-Effekt. ich war erschrocken, konnte einfach nichts mehr essen, weil ich Angst hatte zuzunehmen.

Nach 2 oder 3 Tagen nichts essen, dass tägiche Abendessen mit meinen Eltern habe ich nur auf dem Teller hin und her geschoben. Wurde es mir dann so schwindelig, ich bin im Sportunterricht fast zusammen gekracht, meine Lehrerin hatte mir dann Traubenzucker egeben, danach hatte ich dann aber irgendwie so ein schlechtes Gewissen und ich bin zu Hause 2Stunden auf dem Stepper gestanden, einfach nur, um dieses verdammte Stück Traubenzucker zu verbrennen.

 Irgendwann musste ich natürlich wieder etwas essen, danach kam dann aber wieder diese Stimme, die sagte ich hätte versagt, cih wäre ein nichts, ein elendes nicht und dann hab ich das erste Mal erbrochen...

Seit dieser Zeit weicht die Stimme in meinem Kopf nicht mehr von meiner Seite. 

5.1.11 00:33

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


dominique caroline / Website (5.1.11 01:06)
Huhu,

deine Geschicht ist sehr tragisch und ich bin erschrocken darüber, wie das Umfeld einen beeinflussen kann. Ich muss dir dazu hoch anrechnen, dass du dich in ärztlicher Behandlung befindest, denn ich denke allein oder nur mit Familie & Freunden kann man ein solches Problem nicht beseitigen.

Liebste Grüße

D.C

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