stille Hilferufe

Essstörungen - Die Stimmen in Deinem Kopf
 
 

Bulimia Nervosa

Bulimia Nervosa
I'm sorry, self.
Forgive me, self.
 
Definiton
  • Essen und Erbrechen, diese beiden Symptome, treten bei Bulimarexie vordergründig am deutlichsten in Erscheinung. Große Mengen Essen werden wie in einem Anfall verschlungen, Sättigungsgefühl und Selbstkontrolle sind völlig außer Kraft gesetzt. Betroffene erleben eine Fressattacke wie einen Rausch, während dem das Denken wie ausgeschaltet ist. Anschließend wird aus Angst vor Gewichtszunahme und Ekel vor dem Völlegefühl wieder erbrochen. Zu Beginn der Krankheit ist das Erbrechen das einfachste Mittel, dem Heißhungeranfall nachzugeben und trotzdem schlank zu bleiben. Im Verlauf der Suchterkrankung wird sie zum programmierten Symptom.
  • Bulimarexie ist eine ernstzunehmende Suchterkrankung. Auch wenn Essen nicht im engeren Sinn als Droge bezeichnet werden kann, so ist doch das Verhalten von Bulimarektikern ein echtes Suchtverhalten. Sie haben keinen Lustgewinn an ihrem Tun, sind aber nicht in der Lage, sich dem Zwang, unter dem sie die verhasste Handlung begehen, zu entziehen. Mit äußerster Willensstärke gelingt es manchen, ihr Verhalten für einige Zeit wieder in den Griff zu bekommen, Rückschläge sind aber auch noch nach Jahren möglich, vor allem in Situationen von Anspannung und Überforderung.
  • Essen ist etwas völlig Normales, die Möglichkeit aber, künstlich zu erbrechen, gilt als pervers, deshalb wird dieses Verhalten verheimlicht. Es entsteht ein enormer Leidensdruck, denn die Betroffenen empfinden selber ihr Handeln als widerlich und sich selbst als willensschwach und minderwertig.
  • Die typische Ess-Brech-Süchtige ist weiblich, in der Pubertät und wiegt eher ein paar Kilo zu viel als zu wenig. Sie ist eher angepasst und sehnt sich nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Sie ist davon überzeugt, dass das Leben schöner wäre, wenn sie nur schlanker wäre. Der klassische Einstieg ist eine Abmagerungskur.
  • Bulimarexie ist heilbar, aber der Weg ist lang, beschwerlich, von Rückschlägen gezeichnet und erfordert den ganzen Einsatz der Betroffenen.

 

Entwicklungsstadien (nach Langdorft)

1. Phase: Einstiegsprozess (Verselbständigung)

  • Bemühen um eine »bessere« Figur: kontrolliertes Essen, Appetitzügler, Abführmittel
  • Fresstage schleichen sich ein, Essen aus übermächtigem Hunger, erstes Erbrechen
  • das Erfolgserlebnis, sich selbst beherrschen zu können, überwiegt

2. Phase: Einschliffprozess (Verdrängung und Verleugnung)

  • Kontrollversuche beim Hungern, strenge Askese, regelmäßig auftretende Fressanfälle, Erbrechen als Ausweg
  • verzerrte Selbstwahrnehmung
  • Verleugnung des Verhaltens vor sich selbst und anderen, Aufbau eines Selbstschutz und Lügengerüstes
  • Beherrschung der Methode des gesteuerten Brechrituals, aber Ausreden für die Anlässe
  • Depressionen, Minderwertigkeitskomplexe, Selbsthass

3. Phase: Erkenntnisprozess (eingefahrener Teufelskreis)

  • ständiger Wechsel zwischen Zügellosigkeit und Enthaltsamkeit
  • Fressen, um zu erbrechen, Erbrechen, um weiter zu essen
  • Gefahr, auf andere Drogen umzusteigen
  • Verschlechterung der Gesundheit, anhaltende Schwächezustände
  • Nachlassen der Kondition und der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Erkennen und Verzweifeln, zunehmende Depression, Tiefpunkt 
  • Ausbruchsversuche, Öffnung nach außen: Motivation, Grundlegendes zu ändern

Zwischendurch kann es symptomfreie Phasen geben (Tage, bis zu einem Jahr), oft werden große Anstrengungen unternommen, um sich »sauber« zu halten, um so größer ist der Einbruch, wenn es nicht gelingt (Frustration, Resignation, Verzweiflung, erneute Zuflucht beim Suchtverhalten). Ausbruchsversuche vor dem Tiefpunkt sind erfolglos, da noch die Einsicht fehlt, süchtig zu sein.


Selbstwahrnehmung und Auftreten

  • In der ersten Zeit ihrer Erkrankung bemüht sich die Betroffene um ein möglichst »normales« Auftreten. Ihre »geheimen Praktiken« sieht sie als Mittel zum Zweck, und die Bewunderung über die Abnehm-Erfolge bestätigen sie, auf dem richtigen Weg zu sein. Gleichzeitig aber schleichen sich Widerwillen und Selbsthass über ihr absonderliches Verhalten ein. Die harmlose, angepasste Fassade wird immer mehr zur Maske, im Innern herrschten Unruhe und Chaos, die Gedanken kreisen heimlich nur ums Essen. Sie freut sich zwar über Anerkennung oder Anteilnahme, »weiß« aber, dass ihr inneres (widerliches) Ich diese sicher nicht verdient hat. Sie ist stolz auf ihre Selbstkontrolle und ihre perfekte »Organisation« und verachtet die anderen, die sie nicht erkennen. Hier wird der Zwiespalt besonders deutlich:
  • Sie sucht Anerkennung, Liebe, Bestätigung, muss aber mit allen Mitteln verhindern, dass die anderen ihr wirklich nahe kommen. Ihr ist völlig bewusst, dass sie der Umgebung nur ihre Fassade zeigt, ihr inneres Ich scheint es ja nicht wert zu sein, Beachtung und Liebe zu finden. Das wird in ihren Augen nur bestätigt durch die »neuen« Reaktionen ihrer Umwelt. So aber werden ihre eigentlichen Bedürfnisse nicht befriedigt, der Hunger nach wirklicher Beachtung wird immer größer und innerhalb dieser Methodik unstillbar.
  • Mit der Zeit wächst der Hass auf die Umwelt, die sie zu diesem Verhalten »zwingt«. Sie wird zunehmend aggressiv oder apathisch. Sie isoliert sich immer mehr und wird immer einsamer, was das Gefühl der Leere nur vergrößert, sie also immer tiefer in die Bedürftigkeit, in die Sucht treibt.

 

Der Ausstieg

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Bis das Bewusstsein über die eigene Sucht/Krankheit einsetzt, sind die Betroffenen nur bemüht, ihre Methodik und das Verstecken zu perfektionieren. Erst wenn ihnen selber klar wird, dass sie Hilfe brauchen (und dieser Punkt ist der absolute körperliche und seelische Nullpunkt, die pure Verzweiflung), taucht die Chance auf, den Teufelskreis zu durchbrechen. So hart es klingen mag: Bis zu diesem Wendepunkt kann kein Angehöriger, kein Arzt, kein Psychologe helfen. Der erste Schritt ist das Bedürfnis, darüber zu sprechen. Der Mut, die Schamgrenze zu überwinden, muss als Signal von besonderer Bedeutung und als Vertrauensbeweis wahrgenommen werden. Unverständnis [»Kannst du dich nicht beherrschen?«] oder Vorwürfe [»Was tust du mir an!«] würden die mühsam geöffnete Tür sofort wieder schließen. Die Erkenntnis, mit der Sucht nicht allein zu sein, kann Druck abbauen helfen. In einer Selbsthilfegruppe finden Gespräche mit anderen Menschen statt, die die Situation aus eigener Erfahrung verstehen. Die Möglichkeit der Selbsthilfe sollte immer auch therapeutisch unterstützt werden, da die notwendige psychische Verfassung meist nicht stabil genug ist. Das Herumkurieren an Symptomen ist keine Lösung. Die Betroffene selber muss sich für die ihr zusagende Form der Hilfe entscheiden und den ersten Schritt tun. Alle Suchtberatungsstellen bieten Auskunft und Hilfe an.

 

www.essfrust.de
Beratungs- und Selbsthilfeelemente für Betroffene und Angehörige

  • Hinweise auf Fachbücher, Ratgeber, Erfahrungsberichte
  • Kliniken und Selbsthilfegruppen, Foren
  • Online-Chat
  • Online-Sprechstunde

Frankfurter Zentrale für Essstörungen
Hansaallee 18
60322 Frankfurt


www.suchtprophylaxe.de

  • Beispiele für praktische Arbeit an Schulen
  • schulinterne Lehrerfortbildung zu Themen der Gesundheitsförderung, Suchtvorbeugung und Gesprächsführung
  • Angebote (der Diakonie in Ratingen) für Lehrerinnen, ErzieherInnen und KollegInnen in psychosozialen Arbeitsfeldern:
  • Supervisions-Gruppe für Lehrer (Infos zum Thema Supervision)
  • Unterstützung bei Projektplanung

 

Kostenloses Informationsmaterial als Broschüre:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
51101 Köln
Telefonberatung 0221-89 20 31

 

 
 

4.1.11 23:49

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