stille Hilferufe

Essstörungen - Die Stimmen in Deinem Kopf
 
 

Über

Herzlich Willkommen

Dies hier ist KEINE Pro Ana/Mia Seite.

Diese Seite soll euch Einblicke in mein Leben mit der ES geben, außerdem soll sie euch Infos bieten.

Ich bitte euch keine Hass Mails/Kommentare, dass ich doch irgendwie bescheuret wäre, mir das alles anzutun! Ich habe mich NICHT freiwillig dafür entschieden, ichbin irgendwie da rein geschlittert und der Ausweg ist schwer. 

 

 

Als erstes etwas zu meiner Person, ich bin 15, besuche die 10.Klasse eines Gymnasiums, ihr könnt mich Federleicht nennen, meinen eigenen Namen möchte ich nicht bekannt geben. 

 Ich selbst leide an Bulimie und Anorexie. Seit etwa Dezember 2009, damals war ich noch 14.

Ich hatte mich auf 44kg bei einer größe von 1.67m heruntergehungert, meine Eltern  bemerkten dann mein seltsames Essverhalten, sprachen mich darauf an, ich wollte nicht mit ihnen reden, sie schickten mich in Therapie, ich nahm auf 55kg zu.

Zur Zeit schwankt mein Gewicht zwischen 51 und 52kg, ich fühle mich unwohl, fett etc. Ich bin wieder voll in den Händen von den beiden Stimmen in meinem Kopf, die gegen mich ankämpfen, die mich bekriegen, mein Schlachtfeld ist mein Körper.

 Alls Liebe,

eure Federleicht.

Alter: 21
 

Ich mag diese...

Gefühle: die Leere in meinem Bauch, das brummeln des Magens, das Schwanken vor Schwindel, das Zittern der Hände, die Kälte in mir...und ich weiß einfach nicht warum



Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
hatte ich noch Träume.

Ich wünsche mir...:
diese Stimmen aus dem Kopf und, dass sie NIE WIEDER einen Menschen verfolgen.



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Blog

Klinik?

Therapie

Hatte heute Therapie und sie meinte, dass sie sich schon mal überlegt hatte,

ob es für mich entweder besser wäre 1-2xwöchentliche Therapie mit wiegen etc zu machen oder ob ich nich sogar zumind während den Sommerferien in eine Klinik gehe, dass ich vllt einbisschen Abstand bekomme und die mich dann wieder langsam ans  essen gewöhnen.

Eigentlich ist es ja kein schlechter Vorschlag, aber in dem Moment wurde mir so richtig bewusst, für wie krank mich alle halten, wie krank ich eigentlich bin. Vorallem weil sie meinte, ich würde mich immer mehr in etwas verrennen, würde mich immer mehr daran klammern. Außerdem müsste ich bei Variante 1, (zwei Therapiesitzungen pro Woche) zu einer neuen Therapeutin, dann würde ja alles wieder von vorne losgehen.

Außerdem hab ich meine Ängste geäußert, daraufhin meinte sie nur, ich müsse aber irgendwann eben entscheiden ob ich ins kalte Wasser springe oder, ob ich so weitermache und dann wollte sie wissen, was ich glaube, was langfristig gesehen besser ist. Das ist eine blöde Frage!

Natürlich weiß ich, dass es allein schon aus gesundheitlicher Sicht besser ist, in eine Klinik zu gehen und mich behandeln zu lassen. Aber verdammt noch mal, ich weiß nicht, wie ich mich von dem ganzen scheiß der mich jetzt schon über ein Jahr lang begleitet, der meinen Alltag bestimmt, der ein Teil von mir geworden ist, wie ich den einfach so abschalten kann.

Ich kämpfe jeden Tag innerlich mit mir, ein halber Apfel zum Frühstück ist für mich, für den Teil, der gesund werde will, ein großer Erfolg. Für den Rest in mir, für die ES in mir ist es eine Niederlage, ich fühl mich erbärmlich, wenn dann auch noch Außenstehende Personen sagen, ich solle doch was "gescheites" Frühstücken könnte ich die alle gleichmal an die Wand klatschen. KEINER versteht auch nur ansatzweise wie es mir geht!

Und dann muss ich mir von meiner Therapeutin auch noch anhören, dass sie glaubt ich wäre noch nicht 100%ig bereit mich zu bessern??! 

2 Kommentare 8.1.11 00:00, kommentieren

der alltägliche Wahnsinn

Der alltägliche Wahnsinn

Dann werde ich mal von meinem heutigen Tag berichten.
Was war heute los? Eigentlich nicht viel.
Es gab Stress mit meinen Eltern, am Dienstag war ich beim Kifi, jetzt tut mir das komplette obere Gebiss weh, davon hab ich Kopfweh bekommen, kann kaum kauen, alles tut weh Und was sagen meine Eltern dazu? 
                 Die sind doch tatsächlich der Meinung ich würde maßlos  übertreiben und wolle so nur die Mahlzeiten umgehen. Ich glaub ich dreh durch! Es tut wirklich unglaublich arg weh. Aber nein, das glaubt man mir ja nicht. Außerdem meinte mein Dad, ich solle doch mal das Frühstück hinrichten, ich würde immer erwarten,d ass was aufm Tisch steht, aber selber machen würde ich es nicht. Als ich dann meinte,  dass ich es ja überhaupt nie verlangt hätte hat er nur schnippisch geantwortet, "Ja, du hungerst ja eh lieber als etwas zu essen!"

Als er sich dann später entschuldigt hatte, meinte er, er würde sich nur Sorgen machen, dass er mich verlieren würde, dass ich bald einen Freund hätte und mich distanzieren würde. Aber im nächsten Moment kam dann sofort wieder:"Obwohl, wer will den schon eine Freundin, die nie isst, die sich um jeden Bissen mehr Gedanken macht, als um die Gefühle ihrer Mitmenschen."

Danke fürs Gespräch-.-'

 

Und morgen hab ich Therapiestunde, danach geh ich mit einem Freund ins Kino. Ich hab ehrlichgesagt auf beides Null-Lust. Erstens wenns mir so geht wie heute wird das eine Katastrophe. Zweitens wird er mich fragen wo ich davor war, aber ich werde sicherlich nicht einfach mal so beiläufig zugeben, dass ich ne ES habe und weil ich zu blöd zum essen bin in Therapie bin.

Und sonst hab ich Angst, dass ich einfach nichts finde zum reden. Hilfe 

Und der einzige Grund, weshalb ich mich morgen dorthin schleppen werde ist der, dass ich dann wengistens nichts essen muss. Scheiße-.-mein Dad hat recht, ich bin ein scheiß egoistischer Mensch, ich treffe mich mit dem nur im Kino, weil ich genau weiß, dass ich dann nichts essen muss, pure Berechnung. 

Ich gehör nicht hier her, ich gehör in die Hölle wo ich niemanden enttäuschen kann.

6.1.11 23:35, kommentieren

meine schlechten Essgewohnheiten

schlechte Essgewohnheiten

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wenn ich in der Stadt bin stehe ich oft vorm Bäcker und schau mir einfach die vielen leckeren Dinge an, denke darüber nach, wie sie wohl schmecken...

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ich stochere nur in meinem Essen rum und beobachte die anderen, das macht mich satt genug

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anstatt essen trinke ich koffeinhaltige Getränke

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wenn ich auswärts esse lasse ich Nahrung in meine Tasche fallen, zu Hause kommen sie in meine Ärmel/Pulli Taschen

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selbst auf Salat kaue ich ca. 30-40Mal drauf rum

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zuerst werden die kcal arme Nahrungsmittel gegessen, zum Rest komme ich dann garnicht mehr

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beim Toast esse ich immer nur zwei Ecken, den Rest lasse ich liegen

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selbst 0,1% Milch und Joghurt wird mit Wasser verdünnt

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Suppe verdünne ich zum einen und zum anderen mach ich sie nicht nach Rezept, im Rezept steht erst Pulver und kaltes Wasser mischen, danach erhitzen, ich allerdings erhitze erst das Wasser und vermische es dann, dadurch lässt es sich nicht so leicht vermischen, die Suppe wird noch wässriger, noch weniger kcal

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5.1.11 21:21, kommentieren

Einflüsse etc auf die kleine Federleicht

Ich glaub ich war schon immer anfällig auf die Kommentarer anderer, ich hab schon immer wert darauf gelegt, was andere von mir denken, auch wenn meine Mama mir immer sagte, dass es egal wäre, was andere denken, solange man sich nicht verstellt und zu sich stehen kann. Ich glaubte ihr.

Irgendwann hab ich dann gemerkt, dass sie das mir zwar immer predigte aber sie selbst legte wert auf ein richtiges Auftreten, gutes Benehmen und zumindest einwenig Anerkennung von ihrem Umfeld, trotzdem wollte sie mir klar machen, dass es egal ist, was andere denken.

Mit steigendem Alter wurde mir klarer, dass es NICHT egal ist was andere von einem denken und so habe ich gefolgert, dass es auch nicht richtig wäre immer so zu sein, wie man ist.

Ich habe angefangen eine Maske zu tragen im Alter von 13Jahren begonn ich, mich abzuschotten, arbeitete hart daran nicht mehr die zu sein, die ich war. Anfangs probierte ich dies durch einen „neuen“ Style, trug andere Klamotten, zerschnitt Kleidung, wollte meine Haare abschneiden, färben etc. Ohne Erfolg, keinen hat es so wirklich interessiert.

Ich schloss daraus, dass es wohl der falsche Weg wäre. Nach meiner Konfi fing ich an mich extrem zu schminken, wollte ein Zeichen setzten, wollte registriert werden, wollte wahrgenommen werden, doch keiner reagierte.

Ein halbes Jahr verging, nichts passierte. Ich war frustriert, es war Adventszeit, ich fraß Schokolade um Schokolade, danach war mir total schlecht, ich ging aufs Klo, ich war allein zu Hause, ich kotzte, ging wieder zurück aufs Sofa, fraß weiter, ging wieder zurück aufs Klo, kotzte wieder, wusch mir die Hände, putzte meine Zähne, auf einmal war mir total schwindelig, ich legte mich auf das Sofa, sammelte mich und meine Gedanken. Realisierte nur nach und nach, was ich gerade gemacht habe.

Ich hab gefressen, gekotzt, gefressen, gekotzt. Irgendwie fühlte ich mich befreit, aber im gleichen Moment wurde mir klar, ich habe einmal gekotzt, aber bei dem einen Mal wird es nicht bleiben, ein Teufelskreis hat begonnen.

Angst hatte ich aber nicht, im Gegenteil, ich sah darin die Lösung all meiner Probleme, bei schlechten Noten konnte ich in Zukunft soviel fressen wie ich wollte, ich wusste ja, wie ich es wieder losbekommen kann. Bei Stress egal wegen was, ich konnte es einfach wieder auskotzen, meine Gefühle, mein Hass, einfach alles.

Und damit begann mein Leben in einer anderen Welt, ich fing an kcal zu Zählen, sagte mir, ab einer Einnahme von mehr als 500kcal pro Mahlzeit wirst Du kotzen gehen.

Irgendwann veringerte sich die Zahl, jetzt bin ich bei 200kcal pro Tag, die ich aufnehme, wenn ich die übersteige dreh ich durch, fühl mich fett wie ein Walross und ich habe Angst, dass es nie wieder aufhört, dass ich nie wieder das bin, was ich mal war.

Das ich nie wieder ohne die Stimmen im Kopf bin...

1 Kommentar 5.1.11 20:05, kommentieren

Federleicht und die Barbie

Dieses Bild erinnert mich an einen Tag in meiner Vergangenheit.http://skinnygirlrock.tumblr.com/post/2525931139

Ich war vielleicht 7 oder 8 Jahre alt,

es war Omatag, also Backtag, die ganze Verwandtschaft trifft sich an dem Tag bei meiner Oma (bis auf die Ehemänner, die ja fürs Geld zuständig sind und arbeiten müssen) an dem Tag hatte ich meine Barbies dabei und hab zusammen mit den Barbies, die meine Oma noch von früher hatte gespielt. Als plötzlich meine Tante ins Zimmer kam, die ältere Barbie kritisch begutachtete und schließlich fragte: „Was ist denn das für eine fette? Wo haste denn die aufgetrieben?“ Ich war völlig geschockt, nachdem sie weg war bin ich raus, hab meine Jacke angezogen und bin den ganzen verdammten Mittag im Garten meiner Oma rumgerannt, mal hab ich Fußball gespielt, dann hab ich das gemacht dann jenes, nur keine Pause, ich hatte plötzlich panische Angst davor auch so „fett“ zu werden oder schon zu sein. Ich hatte davor 1 Kinderpinguin gegessen….

 

 

1 Kommentar 5.1.11 20:00, kommentieren

it's a love/hate realtionship

it's a love/hate realtionship

 

Ich führe eine Beziehung mit einem kleinen technischen Gerät. Nicht schwerer als eine Flasche Wasser. Nicht größer als ein A3blatt, nicht dünner als ein Flaschendeckel.

Es ist eine Hassliebe. Ich glaube das ist das richtige Wort dafür. Mal macht sie mich glücklich, meistens aber nicht. Und an manchen Tagen, ja, da fühlt es sich einfach nur noch so an, als würde sie mich nur noch abgrundtief hassen, sie hasst mich, sie lügt, sie spielt mit mir, mit meinen Gefühlen, ich bin machtlos ihr ausgeliefert, ich komm nicht von ihr los.

Klar könnte ich mir einen neue kaufen gehen, aber was würde das ändern, ich hab kein Glück in Beziehungen wie dieser, ich zieh immer den kürzeren. Ich habe die Waage noch nicht einmal wegen mir weinen hören, ich habe sie noch nie zusammenbrechen sehen, sie ist gefühlskalt, aber entfacht in mir so viele Gefühle. Angefangen mit Glück, gefolgt von Selbstzweifel und Wut.

Egal was ich mache, ich bin nie gut genug und werde es auch nie sein. Es wird Zeit, dass ich es einsehe, aber ich kann es einfach nicht einsehen. Ich würde sie am liebsten nur anschreien, aber was bringt es, auf ein lebloses „nichts“ einzuschreien? Es macht keinen Sinn. Warum bin ich so abhängig von ihr? Warum kann ich nicht mit und nicht ohne? Meine Mom dachte wahrscheinlich sie tut mir einen Gefallen, wenn sie die Waage versteckt, sie dachte, ich würde es einfach nur so hinnehmen und mich nicht mehr wiegen. Falsch! Nehm mal einem Alkoholiker den Alkohol weg, nehm einem Raucher die Zigaretten, nehm einem Drogenabhängigen seine Drogen…was passiert? – Er besorgt sich neuen Alkohol, neue Zigaretten, neuen Stoff. Ich hab mir keine neuge geholt, weil ich wusste, dass sie noch irgendwo da sein muss, sie konnte ja nicht verschwinden, ich wusste meine Mom wird sich ja weiterhin wiegen. Also bin ich auf die Suche gegangen.

Ich hab sie gefunden, war ja nicht schwer. Ab jetzt begann mein Lügenschloß erst richtig zu wachsen, Du gabst mir noch mehr Stoff aus dem Lügen gemacht werden. Ich gehe mehrmals täglich auf diesen Höllenritt. Ausziehen im Klo, zum Schlafzimmer rennen, leise horchen, ob auch wirklich niemand kommt, Schranktüre auf, Waage raus. Mein Herz pocht und pocht, außer den Schlägen meines Herzes kann ich kaum was hören, überlege mir schon Tausend Dinge, die ich sagen könnte, wenn Du vor mir stehst, während ich auf der Waage auf die Zahl warte.

Ein Blick an die Decke, einmal tief Luft holen, jeden Tag dasselbe, der Blick nach unten, jetzt entscheidet sich meine Gefühlslage, ob gut oder schlecht, ob Freude oder Verzweiflung, Glück oder Hass. Die Zahl nocheinmal anstarren, schnell von der Waage huschen, alles wieder auf seinen Platz legen. Schranktüre leise zuziehen, zurück ins Klo huschen, Spülung betätigen, glücklich sein, wenns weniger war, sich hassen, wenns mehr oder gleichviel war. Euch irgendwelche Gründe für meine Gefühlslage nennen, nur nicht die richtigen, ein falsches Wort, eine falsche Bewegung und meine ganze Lügenwelt würde zusammenbrechen, mein ganzes Schauspiel wäre zu Ende…

2 Kommentare 5.1.11 00:53, kommentieren

(Mi)ana und die Liebe

(Mi)ana und die Liebe

Miana= Mischung aus mia (Bulimie) und Ana (Anorexie) 

Vor einem Jahr, da war dieser Junge, er fand mich toll. Er fand mich hübsch, er fand mich genau richtig, ich hätte mich überhaupt nicht verändern müssen, um ihm zu gefallen. Doch ich hatte keine Zeit, das alles zu bemerken, Ana, Mia, für die war ich da, die haben mich davon abgehalten, dass ich es bemerken könnte, sie haben mich durch die Welt rennen lassen ohne, dass ich es bemerkt hätte.
Ein Jahr ist das her, vor 3Monaten hab ich es erfahren, er meinte zu mir, dass ich mich so verändert hätte, dass ich nicht mehr so fröhlich wäre, dass ich so nachdenklich wirke, so abwesend. Er meinte er hätte gemerkt, dass ich eine zeitlang so zerbrechlich aussah, er wollte wissen, was los ist. Ich war vollkommen geschockt, ich hätte das nie erwartet.

Ich hätte nie gedacht, dass er mich wirklich mal toll fande, ich hätte nie gedacht, dass irgendjemand mich als hübsch angesehen hatte, dass ich für irgendjemand perfekt war, ich hätte nie gedacht, dass irgendjemand gemerkt hätte, dass ich dünner geworden bin, ich dachte für die anderen bin ich immer noch das kleine "Fressmonster", dass viel zu dick ist.
Er hat mir versichert, dass er immer da sein wird, wenn ich seine Hilfe brauche, wenn ich sprechen will.
Warum tut mir die ES das an, warum lässt sie es nicht zu, dass ich soetwas bemerke, dass er mich wirklich gemocht habe, in solchen Momenten hasse ich mein Leben nur noch, in solchen Momenten hasse ich mich, die ES und eifnach alles..

 

1 Kommentar 5.1.11 00:50, kommentieren

Meine Geschichte

Ich werde oft gefragt, wie es zu meiner ES kam.

Ehrlichgesagt suche ich auch schon lange nach der Antwort, jede Therapiestunde stellt sich diese Frage und ich hab noch keine eindeutige Antwort bekommen, eine 100% Antwort werde ich wahrscheinlich auch nie bekommen, aber Ansatzweise kamen mir schon so ein paar Gedanken, aber bevor ich die Ursachen nenne, will ich euch von mir erzählen.

Ich bin 15, besuche die 10.Klasse eines Gymnasiums, mein Freundeskreis ist groß, aber nur zu einer handvoll habe ich eine "richtige" Bindung, das andere ist alles mehr so oberflächlich, wie so vieles in dieser Welt. 

In der Öffentlichkeit hab ich immer ein Lächeln im Gesicht, meine Frisur sitzt, die Kleider perfekt aufeinander abgestimmt, immer perfekt geschminkt, doch das ist alles nur Fassade, innerlich bin ich am Ende, total chaotisch, ein emotionales Wrack. Ich passe weder in diese Welt noch in meine eigene Verwandtschaft, in der alles "perfekt" sein muss. Meine Therapeutin macht auch vorallem meine Verwandtschaft mitschuldig an meinem seltsamen Essverhalten, ständig wird dort über Diöten gesprochen, über dicke abgelästert, etc. 

 Ein anderer Grund ist das Umfeld in meiner Schule, es gibt viele dickere, viele dünne, von allem ist was dabei. Früher konnte ich eigentlich total viel Essen, ich nahm kein Gramm zu, ein paar meiner freundinnen waren darauf etwas eifersüchtig, nannten mich "Fressmonster". Irgendwann, ich glaube es war kurz nach meinem 14.Geburtstag meinten ein paar Freundinnen von mir, sie machen eine Diät, das war der Moment, in dem ich mir das erste Mal so richtig Gedanken über mein Aussehen gemacht hatte. Am nächsten Tag erzählten sie, sie hätten seit gestern Abend nichts gegessen. Das ganze Thema hat mich irgendwie fasziniert, hab aber normal weiter gegessen.

Zu dem Zeitpunkt find meine Mutter dann mit einer Ernährungsumstellung an, sie aß immer etwas anderes als wir, ich schloss damals daraus, dass das, was wir essen falsch war. Ich beschäftigte mich immer mehr mit essen. Irgendwann kamen wir dann in der Schule auf kcal und sowas zu sprechen, ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt gerade mal von deren Existenz, ich wusste nicht was sie bedeuten, ob sie positiv oder negativ waren. Meine Freundinnen klagten dann nach einem Tag bereits, dass sie jetzt sich unbedingt etwas essen müssen und dadurch, dass sie ja sonst noch nichts gegessen haben, können sie sich jetzt ein KitKat gönnen, obwohl es voll mit kcal, Zucker, Fett war.

Langsam kam in mir beim Essen so eine Stimme auf, sie sagte mir, dass kcal schlecht wären, fett noch viel schlimmer. Unbewusst fing ich an dies und das weg zulassen, bis ich dann eines Tages, es war ein Dienstag, wir hatten an dem Tag bis 18Uhr Schule, garnichts gegessen hatte, nachts lag ich dann im Bett und ich dachte mir:

"So, das war doch garnicht so schlimm. Was haben die anderen nur  für ein Problem nichts zu essen." 

Am nächsten Tag in der Schule sagte ich aber keinem was davon, ich wollte sie nicht "eiferspchtig" machen, ich hab einfach weiter zugehört, plötzlich sagte eine Freundin, sie habe gelesen, garnichts essen wäre auch nicht gut, dadurch entsteht ein Jojo-Effekt. ich war erschrocken, konnte einfach nichts mehr essen, weil ich Angst hatte zuzunehmen.

Nach 2 oder 3 Tagen nichts essen, dass tägiche Abendessen mit meinen Eltern habe ich nur auf dem Teller hin und her geschoben. Wurde es mir dann so schwindelig, ich bin im Sportunterricht fast zusammen gekracht, meine Lehrerin hatte mir dann Traubenzucker egeben, danach hatte ich dann aber irgendwie so ein schlechtes Gewissen und ich bin zu Hause 2Stunden auf dem Stepper gestanden, einfach nur, um dieses verdammte Stück Traubenzucker zu verbrennen.

 Irgendwann musste ich natürlich wieder etwas essen, danach kam dann aber wieder diese Stimme, die sagte ich hätte versagt, cih wäre ein nichts, ein elendes nicht und dann hab ich das erste Mal erbrochen...

Seit dieser Zeit weicht die Stimme in meinem Kopf nicht mehr von meiner Seite. 

2 Kommentare 5.1.11 00:33, kommentieren

ES in Zahlen

ES in Zahlen

Etwa 5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Essstörungen; davon haben 3, 7 Millionen gefährliches Untergewicht

 

100 000 Menschen, insbesondere Frauen leiden demnach an Magersucht 600 000 Frauen und Männer haben Bulimie

 

Die Zahl der Magersüchtigen verdreifachte sich in den letzten zehn Jahren

 

30% der Magersüchtigen sind chronisch krank

 

30% der Magersüchtigen sind nach einer Behandlung geheilt

 

30% der Magersüchtigen erfahren eine Spontanheilung

 

10% aller Magersüchtigen sterben an ihrer Magersucht

 

25% aller 7-10-jährigen Mädchen haben schon eine Diät gemacht

 

11% aller 11-15-jährigen Jungen haben schon eine Diät gemacht

 

8% der 6-17-jährigen Jungen & Mädchen wiegen zu wenig

 

50% aller Mädchen unter 15 Jahren halten sich zu dick, bei Normal- oder Untergewicht

 

50% aller Elfjährigen haben sich schon mit Diäten beschäftigt

 

90% der weiblichen Teenager wollen abnehmen

 

66% aller 11-19-jährigen Jungen & Mädchen möchten dünner sein

 

73% der Frauen finden ein Gewicht unterhalb des Normalgewichts am attraktivsten

 

auf 20 magersüchtige Frauen kommt nur 1 männlicher Betroffener

 

70% bis 80% aller Frauen essen sich nie richtig satt aus Angst, zu dick zu werden

 

77% aller Frauen haben nicht ihre Traumfigur

 

10% aller Dünnen empfinden sich noch immer als zu dick 

1% aller Frauen ist zufrieden mit ihrer Figur Schaufensterpuppen haben heute 10 cm weniger Hüftumfang und 5 cm dünnere Oberschenkel als in den 20ern

 

vor 25 Jahren lag das Durchschnittsgewicht eines Models 8% unter dem Bevölkerungsdurchschnitt; heute sind es 20% unter dem Durchschnittsgewicht

 

der Körperfettanteil der meisten Models & Schauspielerinnen liegt heute unter 10% (zum Vergleich der Körperfettanteil einer gesunden Frau: 25%)

1 Kommentar 5.1.11 00:09, kommentieren

Körperschemastörung

 Körperschemastörung

 


 

1. F a l l b e i s p i e l

 

2. D e f i n i t i o n

 

3. S e l b s t t e s t

 

4. T he r a p i e f o r m e n

 

 

 

 

 

1. F a l l b e i s p i e l :

Ein anderes Mädchen, 19 Jahre alt, das ebenfalls gute Fortschritte in der Therapie machte, zeigte ihrem Arzt zwei Fotografien, die am Strand gemacht worden waren; auf der einen war sie 15 Jahre und normalgewichtig, auf der anderen 17 Jahre alt, und sie wog nur 31 kg. Sie fragte ihn, ob er einen Unterschied sehe, und räumte ein, daß sie nur schwer einen erkennen könne, obgleich sie wisse, daß es einen gebe, und versucht habe, das zu korrigieren. Wenn sie in den Spiegel schaue, könne sie manchmal sehen, daß sie zu dünn sei. >>Aber ich kann das nicht festhalten.<< Sie mochte sich eine Stunde lang daran erinnern, doch dann fühlte sie sich erneut zu dick.“

 

2. D e f i n i t i o n :

Es handelt sich um eine Wahrnehmungsstörung. Diese Störung bewirkt, dass die Betroffenen sich dick sehen, obwohl objektiv bereits ein Untergewicht besteht. Sie können sich aufgrund ihrer Körperschemastörung nicht so sehen, wie sie eigentlich sind & von anderen gesehen werden.

Sowohl magersüchtige als auch bulimische Patienten überschätzen ihren Körperumfang und halten sich trotz Untergewicht bzw. Normalgewicht für zu dick. Die Betroffenen beschäftigen sich vorwiegend mit ihrem äußeren Erscheinungsbild und sind korrigierenden Rückmeldungen oft nicht mehr zugänglich.

Das negative oder verzerrte Körperbild der Patientinnen und die Abhängigkeit des Selbstwertgefühls von Figur und Gewicht sind von entscheidender Bedeutung für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Essstörung.

Patienten mit besonders starken Störungen des „body image“ haben schlechtere Prognose für dauerhafte Heilung (Slade und Russel 1973).
Obwohl die Körperschemastörung ein bedeutsames Symptom ist, kommt diesem keine ausreichende Spezifität zu, da auch bei normalgewichtigen und adipösen Frauen Körperfehleinschätzungen auftreten können.

 

 

3. S e l b s t t e s t :

Schätzen Sie Ihre Figur selbst ein und vergleichen Sie sie hinterher mit Ihrem BMI (Körpergewicht [kg]/Körpergröße² [m]).

(hier BMI berechnen)

 

 

 

4. T he r a p i e f o r m e n :

Um den Patienten die Möglichkeit zur realen Einschätzung ihres Körpers wiederzugeben werden v.a. projektive Verfahren, Selbsteinschätzung über Fragebögen und Vergleich von Schätzungen von Körperdimensionen mit den Realdimensionen durchgeführt. Die praktische Durchführung beruht z.B. auf dem Zeichnen von Selbstbildnissen in Originalgröße, die dann mit den tatsächlich existierenden Körperabmessungen verglichen werden.

 

 

1 Kommentar 4.1.11 23:59, kommentieren

Bulimia Nervosa

Bulimia Nervosa
I'm sorry, self.
Forgive me, self.
 
Definiton
  • Essen und Erbrechen, diese beiden Symptome, treten bei Bulimarexie vordergründig am deutlichsten in Erscheinung. Große Mengen Essen werden wie in einem Anfall verschlungen, Sättigungsgefühl und Selbstkontrolle sind völlig außer Kraft gesetzt. Betroffene erleben eine Fressattacke wie einen Rausch, während dem das Denken wie ausgeschaltet ist. Anschließend wird aus Angst vor Gewichtszunahme und Ekel vor dem Völlegefühl wieder erbrochen. Zu Beginn der Krankheit ist das Erbrechen das einfachste Mittel, dem Heißhungeranfall nachzugeben und trotzdem schlank zu bleiben. Im Verlauf der Suchterkrankung wird sie zum programmierten Symptom.
  • Bulimarexie ist eine ernstzunehmende Suchterkrankung. Auch wenn Essen nicht im engeren Sinn als Droge bezeichnet werden kann, so ist doch das Verhalten von Bulimarektikern ein echtes Suchtverhalten. Sie haben keinen Lustgewinn an ihrem Tun, sind aber nicht in der Lage, sich dem Zwang, unter dem sie die verhasste Handlung begehen, zu entziehen. Mit äußerster Willensstärke gelingt es manchen, ihr Verhalten für einige Zeit wieder in den Griff zu bekommen, Rückschläge sind aber auch noch nach Jahren möglich, vor allem in Situationen von Anspannung und Überforderung.
  • Essen ist etwas völlig Normales, die Möglichkeit aber, künstlich zu erbrechen, gilt als pervers, deshalb wird dieses Verhalten verheimlicht. Es entsteht ein enormer Leidensdruck, denn die Betroffenen empfinden selber ihr Handeln als widerlich und sich selbst als willensschwach und minderwertig.
  • Die typische Ess-Brech-Süchtige ist weiblich, in der Pubertät und wiegt eher ein paar Kilo zu viel als zu wenig. Sie ist eher angepasst und sehnt sich nach Anerkennung und Aufmerksamkeit. Sie ist davon überzeugt, dass das Leben schöner wäre, wenn sie nur schlanker wäre. Der klassische Einstieg ist eine Abmagerungskur.
  • Bulimarexie ist heilbar, aber der Weg ist lang, beschwerlich, von Rückschlägen gezeichnet und erfordert den ganzen Einsatz der Betroffenen.

 

Entwicklungsstadien (nach Langdorft)

1. Phase: Einstiegsprozess (Verselbständigung)

  • Bemühen um eine »bessere« Figur: kontrolliertes Essen, Appetitzügler, Abführmittel
  • Fresstage schleichen sich ein, Essen aus übermächtigem Hunger, erstes Erbrechen
  • das Erfolgserlebnis, sich selbst beherrschen zu können, überwiegt

2. Phase: Einschliffprozess (Verdrängung und Verleugnung)

  • Kontrollversuche beim Hungern, strenge Askese, regelmäßig auftretende Fressanfälle, Erbrechen als Ausweg
  • verzerrte Selbstwahrnehmung
  • Verleugnung des Verhaltens vor sich selbst und anderen, Aufbau eines Selbstschutz und Lügengerüstes
  • Beherrschung der Methode des gesteuerten Brechrituals, aber Ausreden für die Anlässe
  • Depressionen, Minderwertigkeitskomplexe, Selbsthass

3. Phase: Erkenntnisprozess (eingefahrener Teufelskreis)

  • ständiger Wechsel zwischen Zügellosigkeit und Enthaltsamkeit
  • Fressen, um zu erbrechen, Erbrechen, um weiter zu essen
  • Gefahr, auf andere Drogen umzusteigen
  • Verschlechterung der Gesundheit, anhaltende Schwächezustände
  • Nachlassen der Kondition und der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Erkennen und Verzweifeln, zunehmende Depression, Tiefpunkt 
  • Ausbruchsversuche, Öffnung nach außen: Motivation, Grundlegendes zu ändern

Zwischendurch kann es symptomfreie Phasen geben (Tage, bis zu einem Jahr), oft werden große Anstrengungen unternommen, um sich »sauber« zu halten, um so größer ist der Einbruch, wenn es nicht gelingt (Frustration, Resignation, Verzweiflung, erneute Zuflucht beim Suchtverhalten). Ausbruchsversuche vor dem Tiefpunkt sind erfolglos, da noch die Einsicht fehlt, süchtig zu sein.


Selbstwahrnehmung und Auftreten

  • In der ersten Zeit ihrer Erkrankung bemüht sich die Betroffene um ein möglichst »normales« Auftreten. Ihre »geheimen Praktiken« sieht sie als Mittel zum Zweck, und die Bewunderung über die Abnehm-Erfolge bestätigen sie, auf dem richtigen Weg zu sein. Gleichzeitig aber schleichen sich Widerwillen und Selbsthass über ihr absonderliches Verhalten ein. Die harmlose, angepasste Fassade wird immer mehr zur Maske, im Innern herrschten Unruhe und Chaos, die Gedanken kreisen heimlich nur ums Essen. Sie freut sich zwar über Anerkennung oder Anteilnahme, »weiß« aber, dass ihr inneres (widerliches) Ich diese sicher nicht verdient hat. Sie ist stolz auf ihre Selbstkontrolle und ihre perfekte »Organisation« und verachtet die anderen, die sie nicht erkennen. Hier wird der Zwiespalt besonders deutlich:
  • Sie sucht Anerkennung, Liebe, Bestätigung, muss aber mit allen Mitteln verhindern, dass die anderen ihr wirklich nahe kommen. Ihr ist völlig bewusst, dass sie der Umgebung nur ihre Fassade zeigt, ihr inneres Ich scheint es ja nicht wert zu sein, Beachtung und Liebe zu finden. Das wird in ihren Augen nur bestätigt durch die »neuen« Reaktionen ihrer Umwelt. So aber werden ihre eigentlichen Bedürfnisse nicht befriedigt, der Hunger nach wirklicher Beachtung wird immer größer und innerhalb dieser Methodik unstillbar.
  • Mit der Zeit wächst der Hass auf die Umwelt, die sie zu diesem Verhalten »zwingt«. Sie wird zunehmend aggressiv oder apathisch. Sie isoliert sich immer mehr und wird immer einsamer, was das Gefühl der Leere nur vergrößert, sie also immer tiefer in die Bedürftigkeit, in die Sucht treibt.

 

Der Ausstieg

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Bis das Bewusstsein über die eigene Sucht/Krankheit einsetzt, sind die Betroffenen nur bemüht, ihre Methodik und das Verstecken zu perfektionieren. Erst wenn ihnen selber klar wird, dass sie Hilfe brauchen (und dieser Punkt ist der absolute körperliche und seelische Nullpunkt, die pure Verzweiflung), taucht die Chance auf, den Teufelskreis zu durchbrechen. So hart es klingen mag: Bis zu diesem Wendepunkt kann kein Angehöriger, kein Arzt, kein Psychologe helfen. Der erste Schritt ist das Bedürfnis, darüber zu sprechen. Der Mut, die Schamgrenze zu überwinden, muss als Signal von besonderer Bedeutung und als Vertrauensbeweis wahrgenommen werden. Unverständnis [»Kannst du dich nicht beherrschen?«] oder Vorwürfe [»Was tust du mir an!«] würden die mühsam geöffnete Tür sofort wieder schließen. Die Erkenntnis, mit der Sucht nicht allein zu sein, kann Druck abbauen helfen. In einer Selbsthilfegruppe finden Gespräche mit anderen Menschen statt, die die Situation aus eigener Erfahrung verstehen. Die Möglichkeit der Selbsthilfe sollte immer auch therapeutisch unterstützt werden, da die notwendige psychische Verfassung meist nicht stabil genug ist. Das Herumkurieren an Symptomen ist keine Lösung. Die Betroffene selber muss sich für die ihr zusagende Form der Hilfe entscheiden und den ersten Schritt tun. Alle Suchtberatungsstellen bieten Auskunft und Hilfe an.

 

www.essfrust.de
Beratungs- und Selbsthilfeelemente für Betroffene und Angehörige

  • Hinweise auf Fachbücher, Ratgeber, Erfahrungsberichte
  • Kliniken und Selbsthilfegruppen, Foren
  • Online-Chat
  • Online-Sprechstunde

Frankfurter Zentrale für Essstörungen
Hansaallee 18
60322 Frankfurt


www.suchtprophylaxe.de

  • Beispiele für praktische Arbeit an Schulen
  • schulinterne Lehrerfortbildung zu Themen der Gesundheitsförderung, Suchtvorbeugung und Gesprächsführung
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Anorexia Nervosa

Auslösende und aufrechterhaltende Faktoren.

Die Betroffenen sind meistens sehr intelligente, aber auch äußerst sensible, psychisch labile Personen, die große Schwierigkeiten im Umgang mit den eigenen Gefühlen haben. Sie betrachteten die Realität duch eine verzerrende Linse, die die Dinge so vergrößert, dass sie gigantische Ausmaße annehmen. Jedes Problem erscheint unendlich groß, unendlich schwierig und unendlich besorgniserregend. Die Haltung der Betroffenen zum Leben ist, trotz Erfolgen in Ausbildung oder Beruf, durch eine ständige Unzufriedenheit, Unsicherheit und Versagensangst geprägt.

Die Betroffenen erkennen irgendwann, zufällig, ohne bewusste Absicht, dass sie sich Erleichterung von ihren extremen Emotionen verschaffen, indem sie sich auf anderes konzentrieren, bspw. auf ihre Fähigkeit, ihrem eigenen Organismus die Nahrung zu verweigern. Nach und nach gelingt es immer besser, die eigenen Gefühle und Empfindungen zu betäuben. Bildlich gesprochen, legen die Betroffenen sich eine Ritterrüstung zum Schutz ihrer Empfindlichkeit an, die jedoch nach gewisser Zeit zu einem Gefägnis wird. Die Abstinenz wird zum Lösungsversuch, der anscheinend nicht aufgegeben werden kann, weil die Betroffenen sonst nicht in der Lage wären, mit den dann aufkommendnen Gefühlen umzugehen. Nicht nur die Nahrung, auch andere potenziell störenden Erfahrungen, die mit Lust und Genuss zu tun haben, werden im Zuge dieser Selbstverleugnung vermieden. Die Betroffenen bringen viele Opfer, arbeiten fleißig und ausdauernd - aufgrund ihrer Angst vor Kontrollverlust, haben sie große Angst vor jeglichem lustvollen Erleben.

 

Andererseits werden ab einem bestimmten Punkt, durch Absonderung bestimmter Neurotoxine rauschartige Zustände bewirkt, die die Betroffenen aufgeregt und unermüdlich erscheinen lassen - ähnlich wie einige Drogenabhängige. Da es den Betroffenen unmgöglich ist, sich einen besseren Zustand vorzustellen, ist der Widerstand gegenüber Veränderungen regelmäßig sehr hoch.

 

Zusätzlich zu der Betäubung von Stimmungen und Gefühlen, die den wohl wichtigsten Aspekt dieser Störung darstellt, verschafft der Nahrungsverzicht den Betroffenen auch das Gefühl, besser zu sein als andere, weil sie etwas schaffen, was viele andere Menschen schwer finden. Die Zuwendung und Zuneigung, die die Betroffenen wegen ihrer Störung von der Umwelt erhalten, stellt einen sekundären Gewinn dar, einen Erfolg, der ihnen, wie sie befürchten, auf anderen Gebieten verwehrt bleiben würde. Neben den individuellen Lösungsversuchen der Betroffenen, spielen auch die Anstrengungen des umgebenden Systems - vor allem der Familie - zu helfen (essen in Gesellschaft, essen erzwingen, sich verstärkt kümmern, usw.), eine große Rolle. Viele dieser Lösungsversuche verschlimmern das Problem oder tragen zu dessen Aufrechterhaltung bei, eben weil sie die sekundären Vorteile mehren, die die Betroffenen aus der Störung ziehen. Dass die Betroffenen der normalen Nahrungsaufnahme und aller anderen Dingen entsagen, die lustvoll und daher irgendwie bedrohlich sind, ist jedoch für die Betroffenen die bedeutendste Strategie, um ihre schwierige Gefühls- und Beziehungswelt in den Griff zu bekommen.

 

Quelle: Nardone, G. (2003). Systemische Kurztherapie bei Ess-Störungen (1. Aufl.). Bern: Hans Huber.

 

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